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Mexiko / Yucatán: Mit dem VW Käfer zu den Tempeln der Maya


Von Stefan Raake

Eigentlich hatten wir uns unter „Beetle“ ja etwas anderes vorgestellt. Nach zwölfstündiger Anreise über Frankfurt und London stehen wir etwas ratlos am Autoverleih des Flughafens von Cancún in Mexiko. Von hier wollen wir unsere einwöchige Rundreise auf eigene Faust zu den Tempeln Yucatáns starten, danach in einem der Orte an der Küste entspannen und tauchen gehen. Zurück zum „Beetle“ – ein neuer VW Käfer, wie er immer noch in Mexiko gebaut wird - ohne Klima-, aber mit Alarmanlage. Tja, so kann es gehen: da dachten wir, einen „New Beetle“ zu bekommen, den schicken, flotten Nachfolger des 50 Jahre alten Käfers – dumm gelaufen. Das nächste Mal werden wir beim Ordern über Internet besser aufpassen.


Auf der Halbinsel Yucatán leben etwa drei Millionen Menschen, eine knappe Million in der Hauptstadt Mérida. Am bekanntesten ist der ganz auf amerikanische Touristen ausgerichtete Badeort Cancún, der sich als lang gestreckte Sandinsel mit Restaurants, riesigen Ressorts, Shoppingcentern und Kinos präsentiert. Die 22 Kilometer lange Insel Cancún Beach, die durch zwei Brücken mit dem Festland verbunden ist, bietet verschiedenste Freizeitmöglichkeiten. Mit inzwischen 20 000 Hotelzimmern und 2,5 Millionen Besuchern im Jahr ist Cancún der wichtigste Devisenbringer Mexikos. Die Zahlen sprechen für sich: Essen, shoppen, am Strand liegen, Sport und Fitness, feiern bis der Arzt kommt – all das kann man hier. Oder auf Ibiza, da ist der Flug nicht so weit und die Preise freundlicher.


Deswegen sind wir nicht nach Yucatán gekommen. Vielmehr reizen uns die Stätten der Maya, die im Dschungel versteckt liegen und ihre Blütezeit zwischen 800 – 1000 unserer Zeitrechnung hatten. Als schließlich die Spanier 1511 an der Küste Yucatáns landeten, war die letzte bedeutende Maya-Stadt, Mayapán, bereits seit 50 Jahren untergegangen. Am bekanntesten und am besten erhalten sind die berühmten Anlagen von Chichén Itzá, Uxmal und Tulum – und genau da wollen wir hin.

Eine gute Stunde fahren wir vom Flughafen nach Playa del Carmen, wo wir unsere erste Nacht verbringen. Ohne langes Suchen entscheiden wir uns für die erstbeste Unterkunft und fallen hundemüde ins Bett. Am nächsten Morgen erleben wir die Alarmanlage des Käfers live in voller Lautstärke. Merke: Den Alarm erst am Schloß neben der Fahrertür ausschalten, dann die Wagentür aufschließen. Jetzt sind wir wach – und unsere Nachbarn auch.


Unser erstes Ziel ist am nächsten Tag die alte Maya-Stadt Tulum, 130 Kilometer südlich von Cancún gelegen, und direkt einer der absoluten Höhepunkte der Reise. Der relativ kleine, überschaubare Ausgrabungsort liegt an der Karibik an einer malerischen Steilküste. Tulum bedeutet „Mauer“ und Tulum ist auch von drei Mauern umgeben, auf der vierten Seite liegt das Meer. Die beeindruckende Lage auf den Klippen macht viel vom Reiz Tulums aus. Badesachen mitnehmen lohnt sich, direkt unterhalb der Tempelanlage liegt der einfach erreichbare Strand. Und bei über 30 Grad kommt man leicht ins Schwitzen. Die alten Maya nannten die Hafenstadt Zamá, Morgenröte. Die Anlage selbst besteht aus einer Reihe von relativ niedrigen Bauten, die mit Fruchtbarkeitsszenen aufwendig verziert sind. Das Castillo ist das auffälligste Gebäude auf der höchsten Erhebung der Anlage. Hier brannte wahrscheinlich ein Leuchtfeuer. Die Kombination aus Maya-Bauten, üppiger Vegetation und türkisblauem karibischen Meer ist einfach toll.

Einige Kilometer südlich von Tulum finden wir eine traumhafte, direkt am Meer gelegene Bungalow-Anlage. Jedes der knapp fünfzehn Zimmer im „Cabanas las Conchitas“ ist anders eingerichtet. Hier verbringen wir unsere zweite Nacht, baden in der kleinen Bucht und frühstücken frisches Obst. 56 US-Dollar inklusive Frühstück kostet die Übernachtung im Doppelzimmer.


Von hier geht es weiter nach Cobá, circa 40 Kilometer von Tulum entfernt und mitten im Buschwald gelegen. Die Stadt Cobá war mit 70 Quadratkilometern eine der größten Siedlungsstätten der Maya. Bisher ist aber nur ein geringer Teil der Bauwerke freigelegt worden. Während man durch die Ruinen von Cobá schlendert, sieht man links und rechts des Weges die Überreste von Gebäuden, die fast vollständig vom Dickicht des Walds verschlungen worden sind. Vom Eingang geht es ein gutes Stück zu Fuß zu den weit auseinander liegenden Gebäuden, die bisher freigelegt wurden. Ein Besuch lohnt sich. So erhebt sich mit 42 Metern eine der höchsten Pyramiden Yucatáns, die von oben eine großartige Aussicht über Buschwald, Meer und die Seen bietet. Tipp: Auf jeden Fall etwas zu Trinken mitnehmen, Mütze und festes Schuhwerk nicht vergessen. Am Eingang kann man auch Fahrräder leihen, was keine schlechte Alternative ist. Allein die Pyramide mit 120 Stufen bringt einen gehörig ins Schwitzen. Weiter geht es in Richtung Chichén Itzá.


Die Straßen sind gut ausgebaut, auch die meisten Nebenstraßen sind problemlos befahrbar und vernünftig asphaltiert. Die Autobahn von Cancún nach Chichén Itzá und Meridá geht zwar schneller, ist aber so teuer, dass hier fast nur Touristenbusse unterwegs sind. Auf den Seitenstraßen führt die Landstraße mitten durch die Dörfer. Hier sollte man den Fuß vom Gas nehmen, besonders wenn ein Schild mit der Aufschrift „Tope“ erscheint. Ein „Tope“ ist eine Erhebung auf der Straße, die man besser mit maximal 20 Kilometer pro Stunde überfährt, wenn die Reifen auch den Rückweg schaffen sollen. Jedes Dorf, das etwas auf sich hält, hat mindestens zwei davon, einen am Ortseingang und einen am Ortsende. Ein Stand mit frischem Obst, Kuchen oder eiskalten Getränken findet sich hier auch meistens.


Chichén Itzà ist die größte und am sorgfältigsten restaurierte Maya-Stätte und ein absolutes Muss bei einer Yucatán-Reise. Sie wurde vermutlich um 450 errichtet, 650 wieder verlassen, um 400 Jahre später wieder besiedelt zu werden. Als wir am frühen Nachmittag kommen, stimmt alles. Es ist nicht mehr so heiß, das Licht nicht mehr so grell und die Touristenbusse auf dem Rückweg nach Cancún. Vom Eingang spazieren wir direkt auf die Kukulcán-Pyramide zu, die sich majestätisch mit 55 Metern Seitenlänge und 30 Metern Höhe am Ende eines 150 Meter langen Platzes erhebt. Der Aufstieg ist relativ einfach, schwindelfrei sollte man jedoch sein. Oben angekommen bietet sich ein toller Ausblick auf den Tempel der Krieger, das Feld der 1 000 Säulen, den Tempel der Jaguare, die Schädelmauer und weitere Bauwerke. Erst beim Abstieg merken wir, wie steil die Treppen sind. Ein nachträglich gespanntes Seil in der Mitte der breiten Treppe gibt Halt.


Von oben sehen wir auch den Ballspielplatz. Das Ballspiel hatte bei den Mayas eine besondere Bedeutung. Der Kautschukball versinnbildlichte die Sonne, welche die Existenz der Erde sicherte. Die Mannschaft, die das Spiel verlor, wurde den Göttern geopfert und anschließend mit großem Zeremoniell bestattet.

An den Sonnenwendtagen (am 21. März und am 23. September) lässt sich ein sehr interessantes Phänomen beobachten. Auf die Stufen der Pyramide, die dem Schlangengott Quetzalcóatel geweiht ist, fällt der Schatten der Pyramidenkante. Durch die Bewegung der Sonne wirkt es im Tagesverlauf so, als würde sich eine Schlange aus dem Tempel auf der Spitze der Pyramide heraus und die Treppe herunter bewegen.


Von der Pyramide, die die Spanier wegen Ihrer Größe auch „El Castillo“ (Schloss) nannten, ist ein weiteres, beliebtes Foto-Motiv gut zu sehen. El Caracol, das „Schneckenhaus“ genannte Gebäude mit seiner schneckenförmigen Kuppel, welches vermutlich als Sternwarte diente, liegt gut 600 Meter von der Pyramide entfernt. Das ist aber längst noch nicht alles. Drei bis vier Stunden sollte man sich schon für Chichén Itza Zeit nehmen, will man zumindest die wichtigsten Gebäude sehen.

 

In Pisté, dem an Chichén Itzá angrenzenden Ort, essen wir in einem der kleinen Restaurants. Viel hat der staubige Ort sonst nicht zu bieten. Übernachten kann man in einem der Luxus-Hotels in unmittelbarer Umgebung von Chichén Itzá, wenn man das nötige Kleingeld mitbringt. So bietet beispielweise das Hacienda Chichén knapp 20 schön restaurierte Zimmer in einer alten Hazienda. Drumherum findet sich ein schön angelegter Park. Wesentlich einfacher wohnt es sich im „Dolores Alba“ für 300 Pesos die Nacht, immerhin mit Pool.

Am nächsten Tag fahren wir weiter mit unserem VW Käfer, an den wir uns inzwischen gewöhnt haben, nach Mérida, der Hauptstadt des Bundesstaates Yucatáns. Gegründet wurde Mérida 1542 von Francisco de Montejo, der gemeinsam mit seinem Vater Yucatán fast 20 Jahre brauchte, um die Indios in die Knie zu zwingen.


 Mitten im Stadtzentrum steht das altehrwürdige Grand Hotel, 1901 errichtet und 1987 restauriert. Das schöne Gebäude hat in der Mitte einen nach oben offenen Innenhof, der wie ein Garten inmitten der lärmigen Stadt wirkt. Für etwa 60 Euro die Nacht nehmen wir das Doppelzimmer. Die Stadt selbst lässt sich bequem an einem Tag besichtigen. Sehenswert sind der sehr lebendige, typisch mexikanische Markt, die Plaza Mayor mit netten Restaurants unter den Arkaden und die Catedral San Ildefonso mit ihren 40 Meter hohen Türmen.


Von Mérida ist es nicht weit zum nächsten Highlight unserer Reise, zur nicht minder beeindruckenden Maya-Stätte Uxmal. Wie in Chichén Itzá begrüßt uns auch hier am Eingang eine Pyramide, die mit einem ungewöhnlichen ovalen Grundriss überrascht. Diese 35 Meter hohe Pirámide del Adivino („Pyramide des Zauberers“) bietet eine tolle Rundumsicht auf die gesamte Anlage. Das Cuadrángulo de las Monjas („Viereck der Nonnen“) direkt zu Füßen der Pyramide besteht aus vier langgestreckten Gebäuden, die zu verschiedenen Zeiten entstanden sind und wie eine Klosteranlage wirken. Daher kommt wohl der Name, den die Spanier dem Gebäudekomplex gaben. Das wichtigste Gebäude Uxmals ist aber der Palacio del Gobernador, dessen fast 100 Meter lange Fassade aufwendig mit Skulpturen, Masken und menschlichen Figuren verziert ist. In Uxmal zeigt sich der Puuc genannte Baustil von seiner schönsten Seite. Er hatte zwischen 750 und 1000 seine Blütezeit und ist nach den Hügeln („puuc“) der Gegend um Uxmal benannt. Besondere Stilelemente sind die Masken des Regengottes Chac sowie die kunstvollen, geometrischen Muster und Schlangenornamente, die reichlich an den Bauten vorhanden sind.


Um Uxmal finden sich noch weitere, interessante Maya-Stätten, die ebenfalls eine Besichtigung wert sind, zum Beispiel Labná, Kabáh oder Sayil. Hier fällt die Auswahl schwer. Wir übernachten in Ticul, einem Ort mit 20 000 Einwohnern, der ein regionales Zentrum für die Töpferei ist und in den Geschäften eine reichhaltige Auswahl an bemalten Souvenirs bietet. Einziger Nachteil: In Ticul steht die Luft. Auch am späten Nachmittag kommen wir bei einem kühlen Bier an der Plaza noch ins Schwitzen.

Über Valladolid fahren wir zurück an die Ostküste und suchen uns am Strand von Playa del Carmen ein nettes Hotel („Mimi del Mar“ mit Pool, Doppelzimmer für 60 US-Dollar), geben den Wagen am Flughafen ab und erholen uns die nächsten Tage. Der ehemalige Fischerort Playa del Carmen ist inzwischen touristisch voll erschlossen, aber dennoch ist der Ort mit seinen wunderschönen Stränden kein schlechtes Urlaubsziel. Ruhig und beschaulich ist es hier nicht. Nur im direkten Vergleich zu Cancún. Aber gegen ein wenig Party haben wir nichts - uns gefällt es, wir bleiben. Von hier aus bieten sich viele Ausflüge an, zum Beispiel für Taucher – und genau das wollen wir machen.


Im Landesinneren wird Tauchen in Höhlen, sogenannten Cenotes angeboten. Ein nicht ganz ungefährlicher Spaß. Nach zwei Tauchgängen reicht es uns dann auch. Direkt vom Strand aus erreicht man in 20 Minuten einige sehr schöne Korallenriffs in 15 bis 25 Meter Tiefe, die eine abwechslungsreiche Flora und Fauna bieten. Auch die vor Playa del Carmen gelegene Insel Isla de Cozumel ist ein Paradies für Taucher. Cozumel ist die größte Insel Mexikos mit dichtem Buschwald und weißen Stränden. Die Hauptattraktion von Cozumel ist das riesige Palancar-Riff, ein Unterwasserparadies.

Fazit: Die Kombination sieben Tage Rundreise auf eigene Faust plus zehn Tage an einem Ort mit Tauchen war für uns genau richtig. Die Reisezeit von Mitte bis Ende Mai stimmte auch. Na ja, und der nächste Wagen hat dann vielleicht doch eine Klimaanlage






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